Papyrus-Hunter

 

Hunterverein Obersimmental

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Die Entstehung des "Papyrus" der Fliegerstaffel 15

Nach 45 ?? Jahren Gastrecht auf dem Flugplatz St. Stephan galt es für die Fl St 15, sich im Herbst 1993 gebührend vom Obersimmental zu verabschieden. Zusammen mit der Flugplatzabteilung 7 wurde ein Tag der offenen Tür organisiert. Als eigentlicher Höhepunkt durfte ich einen Hunter vorführen, dessen Bemalung von der Fl St 15 entworfen worden war, und den die Fl Kp 18 unter einem enormen Zeit- und Personalaufwand bemalt hatte.

Nachdem wir uns auf ein Sujet geeinigt hatten, musste die Idee in die Praxis umgesetzt werden Von der Zentralverwaltung des BAMF (Bundesamt für Militärflugplätze) in Dübendorf erhielt ich die Bewilligung, den J-4040 umzuspritzen. Dieser Hunter hatte nur noch 6 Flugstunden bis zur nächsten Kontrolle, und es war geplant, ihn anschliessend zu verschrotten. Zu Beginn wollten wir die Arbeiten auf dem Flugplatz St. Stephan durchführen, wofür ich beim Kriegskommissariat Heiz- und Lüftungsagregate bestellte. Das BAMF Interlaken stellte uns schliesslich verdankenswerterweise ihre Spritzbox in der Malerei zur Verfügung, in der bei angenehmen Bedingungen die Arbeiten erledigt werden konnten.

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Dank dem Entgegenkommen des Kommandanten der Fl Abt 7, Peter Hofmann, konnte am Montag, 8.November 1993, unter der Leitung von François Bértherin, Carrossier und Besitzer der Talackergarage in Reinach BL, 10 Personen der Fl Kp 18 die Arbeit aufnehmen. Zuerst wurden die Sonderzeichen wie "Achtung Schleudersitz" und die Hoheitszeichen abgeschliffen. Dann wurde die gesamte Oberfläche angeschliffen, wobei der Rumpfhinterteil bis aufs Blech abgelaugt werden musste, da durch ausgetretenes Triebwerköl die Bleche so eingefettet waren, dass die neue Farbe nicht richtig darauf gehaftet hätte. Man kann sich die enorme Arbeit vorstellen, auf dem Rücken liegend das Heck von unten abzulaugen. Anschliessend wurde das Flugzeug mit Haftvermittler grundiert, um nach zweimaligem Anstrich mit Zweikomponentenfarbe in Hochglanzweiss zu erstrahlen. Liebens-würdigerweise stellte uns Bernhard Schoch, Direktor der Dr. A. Schoch AG Burgdorf, alle Farben, Verdünner und Primer gratis zur Verfügung. Übers Wochenende halfen die Piloten der Staffel 15 den Hunter mit langen Folien zu bekleben, damit anschliessend die Schriftzüge aufgespritzt werden konnten. René Viani, der Besitzer eines Malergeschäfts und Schriftenateliers in Allschwil BL, stellte während zwei Tagen und Nächten zusammen mit seiner Frau gut 250 Schriftzüge "Fliegerstaffel 15, Flp Abt 7, Fl Kp 18 sowie die Namen sämtlicher Staffelmitglieder wie auch der beiden Sponsoren her. Nur dank ihrem Sondereinsatz war es überhaupt möglich, den Papyrus termingerecht fliegen zu lassen. Am ersten Tag der Umsetzung machte ich mehr als sechzig Telefonate, und die Kollegen der Fl Kp 18 schufteten, teilweise bis weit nach Mitternacht, gut 900 Arbeitsstunden.

Am Donnerstag der zweiten Woche konnte ich unter grosser Geheimhaltung (trotzdem waren zahlreiche Fotografen anwesend) den Erstflug ab Interlaken absolvieren. Am Tag darauf eröffnete ich mit einer kleinen Solovorführung das Flugprogramm, um anschliessend zusammen mit dem Rest unserer Staffel mit drei Doppelpatrouillen den Flugplatz fiktiv anzugreifen. Unter Verstärkung von einigen Huntern der Fl St 2 zeichneten wir als Schlusspunkt eine 15 an den Himmel, aus dem unser Papyrus hell herausstach.

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Am anschliessenden Staffelabend wurden wir von ehemaligen 15-ern gedrängt, den Papyrus vor der Verschrottung zu bewahren. In einer knappen Woche gelang es mir, die Unterschriften von allen vier Gemeindevetretern des Obersimmentals (Boltigen, Zweisimmen, St. Stephan und Lenk) für ein Gesuch ans BAMF zu erhalten. Das bewog die Zentralverwaltung spontan, den Papyrus einem noch zu gründenden Hunterverein Obersimmental unter dem Patronat der vier Gemeinden zu überlassen. Ursprünglich planten wir, den Hunter auf einem Sockel auf dem Flugplatz St. Stephan aufzustellen. Später bewarben wir uns aber um einen Platz in einem Unterstand, um ihn vor der Witterung zu schützen. In liebevoller Kleinarbeit wird seither das Flugzeug gewartet und geschmiert, um es in einem flugtüchtigen Zustand zu belassen. Erst die positiven Erfahrungen des Fliegermuseums Altenrhein, das mit zwei Schweizer-Huntern fliegt, liess bei uns den Wunsch aufkommen, im Jahr 2000 den Papyrus wieder fliegen zu lassen. Es bleibt zu hoffen, dass wir die nötigen Bewilligungen dazu bekommen werden.

Ueli Leutert, fünfzehnter und letzter Kommandant der Fliegerstaffel 15